Einführungsvortrag

Aufarbeitung eines deutschen Verbrechens in Chile

Die Colonia Dignidad war eine deutsche Sektensiedlung in Chile. Sie begann nach dem zweiten Weltkrieg als unscheinbare christliche Sekte in Deutschland und entwickelte sich in Chile zu einem Lager, in dem Sklavenarbeit und sexueller Missbrauch herrschten. Nach dem Putsch der chilenischen Militärs 1973 wurde die Siedlung zu einem geheimen Folter- und Todeslager für dortige politische Gefangene.

Der Autor und Aktivist Dieter Maier versucht, diese Entwicklung, deren Spuren bis heute fortbestehen, nachzuzeichnen. Dabei wird der engen Draht der Kolonie zu der chilenischen Militärdiktatur, die bis heute politisch nachwirkt, beleuchtet, und auch auf die Mitschuld deutscher staatlicher Akteur*innen eingegangen. Zugleich wird ein erster Versuch unternommen, den repressiven Lebensalltag der Sektenmitglieder zu rekonstruieren, was im Laufe der Veranstaltungsreihe durch Berichte von Betroffenen veranschaulicht wird.

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Der Vortrag ist Teil einer Veranstaltungsreihe über die christlich-fundamentalistische Colonia Dignidad. Sie vereint die Erfahrungen Überlebender mit kritischen wissenschaftlichen Perspektiven und versucht dabei aktuelle Debatten rund um eine Aufarbeitung der Geschehnisse in den Blick zu nehmen.

Aufzeichnung des Einführungsvortrags von Dieter Maier


Identitätskonstruktionen in der totalitären Sekte Colonia Dignidad

Wie verstehen sich die Menschen selbst, die unter den traumatisierenden und repressiven Bedingungen der christlich fundamentalistischen Colonia Dignidad aufgewachsen sind? Dazu werden Interviewdaten aus einem Feldforschungsprojekt in der Sektengemeinschaft präsentiert und aus religionspsychologischer Perspektive analysiert. Der ambivalente Charakter von Religion wird dabei ebenso beleuchtet wie die individuellen Bewältigungsformen der Akteur*innen.

Aus dem Vortrag wird hervorgehen, wodurch die Sozialisation in totalitären Systemen geprägt ist, wie sich Identitaten in diesen konstituieren und was Menschen dazu bewegst sich ihnen, trotz der repressiven Lebensbedingungen, anzuschließen.Ein Vortrag des Religionspsychologen und Psychotherapeuten Prof. Dr. Henning Freund.

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Der Vortrag ist Teil einer Veranstaltungsreihe über die christlich-fundamentalistische Colonia Dignidad. Sie vereint die Erfahrungen Überlebender mit kritischen wissenschaftlichen Perspektiven und versucht dabei aktuelle Debatten rund um eine Aufarbeitung der Geschehnisse in den Blick zu nehmen.


Frauenprotokolle aus der Colonia Dignidad

Die Bundesrepublik in den 1960er Jahren: Unter der Schirmherrschaft des reaktionären Laienpredigers Paul Schäfer werden fast zweihundert Kinder ins chilenische Ausland entführt. Er gründet dort eine brutale Sekte, in der die betroffenen Kinder über Jahrzehnte sexuell und als Arbeitssklav*innen missbraucht werden — die Colonia Dignidad.
Später geraten auch zahlreiche chilenische Kinder in die Fänge der klerikalfaschistischen Kolonie. Die Sekte stellt sich nach dem Putsch im Jahre 1973 auch in den Dienst der Pinochet-Diktatur. Gemeinsam mit dem Geheimdienst DINA werden hier chilenische Oppositionelle eingesperrt, gefoltert und getötet. Erst die allmähliche Demokratisierung Chiles schafft die Bedingungen, dem Ganzen in seiner Perfidität ein Ende zu setzen. Zurück bleiben hunderte Menschen, geprägt durch Betrug und Unterdrückung in unvergleichlichem Ausmaß.

In ihrem Buch „Lasst uns reden – Frauenprotokolle aus der Colonia Dignidad“ macht sich Autorin Heike Rittel auf die Spur der Frauen in der ehemaligen Sekte, deren Schicksal kaum im Fokus der öffentlichen Betrachtung stand. Sie hat mit ihnen zusammen gelebt, Orte besucht, mit denen sie ihre Erinnerungen verknüpfen und dabei ihren Alltag und ihre Angehörigen kennengelernt.

Entstanden ist eine sensible Zusammenstellung von subjektiven weiblichen Betroffenenschicksalen, die einen differenzierteren Blick auf die verbrecherischen Geschehnisse vor Ort ermöglicht. Während bisher in Film und Literatur von den Betroffenen oft ein graues, gleichgeschaltetes und uniformiertes Bild gezeichnet wird, ermöglichen Rittels Frauenprotokolle einen Blick hinter die Fassade. Sichtbar werden sehr persönliche Schicksale mit ganz unterschiedlichen Überlebensstrategien und Formen der Vergangenheitsbewältigung.

Heike Rittel ließt gemeinsam mit den ehemaligen Sektenmitgliedern Edeltraut, deren Lebensgeschichte in den Frauenprotokollen verschriftlicht ist, und Michael Müller aus ihrem Buch vor. Edeltraut lebte seit ihrem 5. Lebensjahr in der Colonia Dignidad und Michael folgte mit 16 Jahren seiner Mutter von Deutschland nach Chile. Für beide gab es bis 2005 kein Zurück. Heute leben und arbeiten sie in Deutschland.

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Die Lesung ist Teil einer Veranstaltungsreihe über die christlich fundamentalistische Colonia Dignidad. Sie vereint die Erfahrungen Überlebender mit kritischen wissenschaftlichen Perspektiven und versucht dabei aktuelle Debatten rund um eine Aufarbeitung der Geschehnisse in den Blick zu nehmen.


Sexualität, Macht, Geschlecht in der Colonia Dignidad

Neben Freiheitsberaubung, Sklaverei, Folter und religiös verbrämter Gehirnwäsche gehörten vor allem Vergewaltigungen und sexueller Missbrauch zum Sektenterror der christlich fundamentalistischen Colonia Dignidad. Dabei handelt es sich nicht um sexualpathologische Abweichungen einzelner Sektenführer. Die hier erkennbare enge Verbindung von Lust und Macht, von Sexualität und Destruktivität gehört zu den strukturellen Merkmalen männlicher Herrschaftssicherung und damit allgemein zur Grundausstattung männlicher Subjektivität in Gesellschaften mit männlicher Dominanz und Vorherrschaft. Vor diesem Hintergrund muss die sexuelle Gewalt in der Colonia Dignidad als extreme Zuspitzung der weitgehend unveränderten hierarchischen Geschlechterverhältnisse gesehen werden.

Ein Vortrag des Sozialpsychologen Prof. Dr. Rolf Pohl, bis 2015 tätig am ehemaligen Institut für Soziologie und Sozialpsychologie der Leibniz Universität Hannover.

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Der Vortrag ist Teil einer Veranstaltungsreihe über die christlich fundamentalistische Colonia Dignidad. Sie vereint die Erfahrungen Überlebender mit kritischen wissenschaftlichen Perspektiven und versucht dabei aktuelle Debatten rund um eine Aufarbeitung der Geschehnisse in den Blick zu nehmen.


Abschlusspodium

Im Rahmen einer zweiwöchigen Veranstaltungsreihe haben wir uns mit der christlich fundamentalistischen Sekte Colonia Dignidad auseinandergesetzt.
Um die hier gewonnenen Erkenntnisse und Perspektiven zu einer gemeinsamen Konklusion zu bringen, wird eine abschließende Podiumsdiskussion stattfinden, an der Expert*innen verschiedener Forschungs- und Aufklärungsbereiche beteiligt sein werden.

Im Rahmen des Podiums soll die unzureichende politische, juristische und gesellschaftliche Aufarbeitung reflektiert werden, um gemeinsam zu erarbeiten, welcher konkreten Forderungen es bedarf. Dafür soll neben einer Bewertung staatlicher Maßnahmen der letzten Jahre auch der Blick auf die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse und Entwicklungen geschärft werden, welche die strukturellen Bedingungen solcher Verbrechen darstellen und sich in unterschiedlichsten Gesellschaften und Gestalten stetig reproduzieren.

An dem Podium teilgenommen haben:

• Meike Dreckmann (Kultur- und Geschichtswissenschaftlerin)
• Ute Löhning (Journalistin mit Schwerpunkt Colonia Dignidad)
• Ruth und Andreas Schmidt (ehemalige Mitglieder der Sekte)
• Dr. Sebastian Winter (Sozialpsychologe)
• Jürgen Karwelat (Sprecher der Not- und Interessengemeinschaft der Geschädigten der Colonia Dignidad)

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Das Podium ist Teil einer Veranstaltungsreihe über die christlich fundamentalistische Colonia Dignidad. Sie vereint die Erfahrungen Überlebender mit kritischen wissenschaftlichen Perspektiven und versucht dabei aktuelle Debatten rund um eine Aufarbeitung der Geschehnisse in den Blick zu nehmen.